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Die Verschmelzung von Film und Gaming: Überholt Gaming die Hollywood-Industrie?

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Die Filmindustrie wächst nach wie vor und erwirtschaftet jedes Jahr enorme Umsätze. Die Prognosen für 2020 liegen bei 50 Billionen U.S. Dollar. Doch auch die Videospiel-Industrie gibt Gas: Lag der Marktwert 2018 noch bei 115 Billionen, soll die Industrie bis 2021 die 138 Billionen-Marke überschritten haben (Statista, 2018).

Doch kann man die beiden Bereiche Film und Gaming überhaupt noch mit einer klaren Linie trennen? Denn Gaming und Film adaptieren zunehmend Elemente des jeweils anderen Genres in ihre Produktionen.

Das Wichtigste in Kürze

Zahlreiche Videospiele feierten bereits den Erfolg auf der großen Leinwand. Andersrum liehen bereits viele Filmstars Spielfiguren ihre Gesichter.
Auch Netflix gab mit dem Film Bandersnatch der Bezeichnung des Spielfilms eine ganz neue Bedeutung, indem die Zuschauer selbst über den Verlauf des Films entscheiden können. Die verschiedenen Optionen führen zu unterschiedlichen Outcomes für die Realität der Hauptfigur, ganz wie im Spiel. 

So erobern sich Games die Kinoleinwände

Die Konvergenztendenzen der beiden Branchen sind nicht neu. Schon 1982 suchten die Filmemacher des Films Tron die Handlung eines simplen Videospiels kreativ im Film umzusetzen. Filme profitieren seither von den Innovationen der Gaming-Industrie. Computer Aided Design und Computer Generated Imaging (besser bekannt als CGI) sind schon lange keine Fremdwörter mehr in der Filmindustrie. So adaptierte der Regisseur Steven Spielberg 1993 in seinen weltweit gefeierten Film Jurassic Park fotorealistisch wirkende Dinosaurier, die mit beeindruckender Qualität überzeugten. 1995 kam dann mit Toy Story der erste vollständig am Computer erschaffene Film in die Kinos. Es folgten zahlreiche Adaptionen von Handlungen und Figuren digitaler Spiele im Film.

toy story entwicklung
Die Entwicklung der Toy Story-Animationen seit dem ersten Teil 1995.

Die wohl bekanntesten Beispiele sind die Figur der Lara Croft im 2001 veröffentlichten Film Tomb Raider, aber auch die computeranimierte Verfilmung des Spiels Final Fantasy machte Furore. Ganz ohne schauspielerische Hilfe eroberte das Spiel die Kinoleinwände. Hierbei handelt es sich aber keinesfalls nur um einen Trend der frühen Phase der Digitalisierung des Filmes. Zahlreiche Videospiele feierten bereits den Erfolg auf der großen Leinwand. So schaffte es Resident Evil, bisher mit 6 Filmen Kinozuschauer weltweit zu begeistern. Die jüngsten Kinoerfolge von Videospielen waren 2007 und 2015 die Verfilmung von Hitman und die neu aufgelegte Version von Tomb Raider, die im Jahr 2018 folgte. Auch die Filmmusik wurde von der Spieleindustrie adaptiert. Bekannte Games wie Call of Duty – Modern Warfare und Beyond – Two Souls unterlegte der Komponist Hans Zimmer mit großartigen Sounds.

Wenn Gaming zum Filmerlebnis wird und Schauspieler in Spielen auftreten

Umgekehrt revolutionierten Techniken wie Motion Capture die Integration von schauspielerischen Leistungen in digitale Produkte. 2004 trat erstmals ein Schauspieler aus Fleisch und Blut in einem Animationsfilm auf. Die digitalisierte Version von Tom Hanks im Film Polar Express zeigte, was möglich war. In den folgenden Jahren liehen Filmstars wie Ellen Page, William Dafoe (Beyond – Two Souls) und Kevin Spacey (Call of Duty – Advanced Warfare) Spielfiguren ihre Gesichter. Samuel L. Jackson und Peter Fonda synchronisierten sogar die Helden der Spiele Grand Theft Auto und San Andreas. 

tom hanks polarexpress
Tom Hanks und sein Charakter im Film "Polarexpress".

Kurz darauf feierte Computer Generated Acting seinen Einzug in Filmklassiker wie King Kong und die Herr der Ringe Saga. Denn die Figuren des Riesenaffens und Gollum beruhen tatsächlich auf der schauspielerischen Leistung des Künstlers Andy Serkis. Auch im Spiel Heavenly Sword trat der Schauspieler als böser König auf. Computer Generated Acting eröffnete der Film- und Gaming-Industrie somit ganz neue Möglichkeiten erstklassige schauspielerische Leistungen, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt, mit digitalen Techniken verschmelzen zu lassen. Geschaffen wird so eine maximale transformatorische virtuelle Gestaltungsvielfalt. 

Ein weiteres Beispiel für die Schnittstelle, an der sich Spiel und Film bewegen sind Teil 6 “The Action Adventure” von Tomb Raider aus dem Jahr 2006 und die Black Mirror Produktion Bandersnatch, die Netflix 2018 veröffentlichte. Bei Tomb Raider wechseln sich Filmsequenzen ab mit Split-Screens, verschiedenen Blickwinkeln und Montagen. Aber auch Handkamera-Perspektiven, sowie einen 2 Spieler Team-Modus gibt es in dem Spiel. Die Grenzen zwischen Spiel und Film verschwimmen noch stärker mit der Option “auf Nummer sichergehen”. Hier übernimmt der Automatikmodus die Action-Sequenzen für den Gamer. Der kann sich zurücklehnen und die Abschnitte als animierten Film genießen. Quasi genau andersherum agiert der Hauptcharakter Stefan Butler im Film Bandersnatch. Der Zuschauer kann im Filmtext mithilfe eines Controllers aus verschiedenen Reaktionen diejenige auswählen, die die Figur ausführen soll. Die verschiedenen Optionen führen zu unterschiedlichen Outcomes für die Realität der Hauptfigur, ganz wie im Spiel. 

tomb raider
Szene aus dem Film "Tomb Raider".

Bekommt die Bezeichnung Spielfilm in Zukunft eine ganz andere Bedeutung?

Produktionen wie Bandersnatch und Tomb Raider werfen die Frage auf, an welcher Stelle nun eigentlich die Grenze zu setzen ist. Wo beginnt das Spiel und wo hört der Film auf? Grundsätzlich würde man wohl versuchen, Spiel und Film anhand der Narrationsart und der Interaktivität des Spielers auseinanderzuhalten. Spiele kennzeichnen sich meistens durch eine höhere Immersion des Spielers. Doch Spielfilme wie der Bandersnatch punkten ebenso mit einer hohen Zugkraft. Aber handelt es sich dann mehr um ein Game als um einen Film? Es bleibt wohl nur abzuwarten, wie weit die Verschmelzung der virtuellen Welten in Film und Gaming noch gehen wird. Denkbar ist aber ein ganz neues Genre, das an der Schnittstelle zwischen den Klassikern agiert. Ob die Industrie jedoch so weit zum Gaming tendieren wird, dass der klassische Hollywood-Film geschluckt wird, ist zumindest bisher noch nicht denkbar.

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